Gemüse und Obst sind nicht für die Tonne gedacht – Aktionstag „Dresden rettet Gemüse“ am 28. September

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)
Slow Food Deutschland e.V.
17. September 2013

Gemüse und Obst sind nicht für die Tonne gedacht - Aktionstag „Dresden rettet Gemüse“ am 28. September

Gemüse und Obst sind nicht für die Tonne gedacht
Aktionstag „Dresden rettet Gemüse“ am 28. September

Verschwendung pur: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Mit der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ setzt sich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) für die Rettung von Lebensmitteln ein. Die Initiative rief Bundesministerin Ilse Aigner letztes Jahr ins Leben. Slow Food Deutschland und die TAFELN engagierten sich mit insgesamt sechs Veranstaltungen, die im Rahmen der Initiative des BMELV bereits in Berlin, Bremerhaven, Essen, Konstanz und Hamburg stattfanden. In Dresden wird am Samstag, 28. September, von 10 Uhr bis 16 Uhr auf der Prager Straße die letzte dieser Veranstaltungen stattfinden, organisiert von Slow Food Deutschland. An diesen Tag wird gekocht, gekostet und Lebensmittel inklusive ihres Ursprungs erfahrbar, erlebbar und genießbar gemacht. Zudem werden Tischgespräche mit Politikern, Bauern der Region und Köchen zu den Themen Landwirtschaft sowie Gemüse im Allgemeinen stattfinden. 1.000 bis 2.000 Besucher werden erwartet.

„Viele Menschen haben den Bezug zu Nahrungsmitteln verloren. Das Resultat: Die Wertschätzung für ‚unser täglich Brot‘ ist sehr gering. Insgesamt elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich weggeworfen. Das Erschreckende daran ist, dass 6,7 Millionen Tonnen davon von Privathaushalten aus den Weg in den Müll finden. Wir sind davon überzeugt, dass zwei Drittel davon vermeidbar wären. Daher ist es unser Ziel, bis 2020 die Menge der verwertbaren Lebensmittelabfälle aller EU-Staaten zu minimieren“, berichtet Dr. Maria Schinke, Leiterin des Referats Umwelt- und Ressourcenschutz beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Verschiedene Ideen werden diesbezüglich derzeit besprochen. Beispielsweise könnten die Verpackungsgrößen von im Handel angebotenen Lebensmitteln verkleinert werden, um so auf die veränderten Lebens- und Konsumgewohnheiten der Verbraucher zu reagieren. Zudem sind wir mit Vertretern der DEHOGA im Gespräch, zukünftig kleinere Portionen in der Gastronomie anzubieten. Auch eine App wurde entwickelt, die mit über 350.000 Downloads große Resonanz findet. In dieser App geben wir Rezepttipps zur Resteverwertung. Es ist ein weiterer Beitrag zur höheren Wertschätzung von Lebensmitteln“, so Dr. Maria Schinke.

Andere Länder, andere (Ess-)Sitten! „Franzosen haben eine ganz andere Einstellung zu Lebensmitteln“, weiß Tina Weßollek, Inhaberin des Logis-Hotel und -Restaurants „L’Auberge Gutshof“ in Bischofswerda, die ihre Lehre zur Köchin und Restaurantfachfrau in Straßburg absolviert hat, „in Frankreich wird alles frisch gekauft. Alle zwei Tage werden die Produkte regional und ihrer Saison entsprechend meist auch vom örtlichen Markt oder von Bauernhöfen eingekauft. Ich habe diese Einstellung und die Liebe zu den Lebensmitteln mit nach Deutschland gebracht. Wir kaufen nur das, was wir auch verbrauchen. Wir arbeiten mit örtlichen Lieferanten zusammen, so dass unsere Produkte in bester Qualität und frisch den Weg auf die Teller unserer Gäste finden. Im Winter verarbeiten wir keine Tomaten, Zucchini oder Fenchel, sondern Spitzkohl oder Steckrüben. Wir bieten zudem spezielle Kochkurse unter anderen zu Gemüsen an. Die Teilnehmer sind begeistert, da viele von ihnen vorher nicht wussten, was sie überhaupt aus Pastinaken, Petersilienwurzel oder anderen wohlschmeckenden Gemüsen herstellen können.“

Die Verschwendung in Zahlen: Mehr als 40 Prozent aller in den Haushalten weggeworfenen Lebensmittel sind Gemüse und Obst. Damit haben sie eine traurige Spitzenposition in diesem Ranking, vor Backwaren, wie Brot und Brötchen, und Milchprodukten. Mit dem Aktionstag „Dresden rettet Gemüse!“ am 28. September auf der Prager Straße in Dresden lädt Slow Food Deutschland deshalb dazu ein, Gemüse in seiner Vielfalt kennen und wertschätzen zu lernen.

Bei Mitmachaktionen erfahren Teilnehmer  von Köchen und jungen Food-Aktivisten, was sich Köstliches aus frischem, nicht den Schönheitsnormen des Handels entsprechendem Gemüse machen lässt. Retourenbrote einer Dresdner Biobäckerei ergänzen das Mahl. Die live zubereiteten Gerichte können von den Besuchern an einer langen Tafel gemeinsam genossen werden.
Das dafür benötigte Gemüse wird bereits am Vortag in einer Gemüse-Tour auf verschiedenen Höfen eingesammelt. Beim Aktionstag selbst werden sächsische Bauern mit Marktständen vertreten sein, ihr Gemüse zum Verkosten anbieten sowie über die Agrarwirtschaft und ihre Erzeugnisse informieren. In moderierten Tischgesprächen diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft, des Handels, von Behörden und Verbänden. Ein Thema dabei ist der oft zu sorglose Umgang mit  Lebensmitteln und die leider sehr extremen Auswirkungen dieser  Ressourcenverschwendung.

Über die Aktion: Die BMELV-Initiative Zu gut für die Tonne! wurde im März 2012 gestartet. Akteure aus Industrie, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft sowie Verbraucherverbände, Vertreter von Kirchen und NGOs unterstützen die Initiative. Im Internetportal zugutfuerdietonne.de findet man neben hunderten Rezepten für „Beste Reste“ einen Wissenstest sowie hilfreiche Tipps, was jede und jeder gegen Lebensmittelverschwendung tun kann sowie eine App mit Rezepten und Tipps.

Über Slow Food: Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch Zugang zu Nahrung hat, die sein Wohlergehen sowie das der Produzenten und der Umwelt erhält. Slow Food tritt für die biologische Vielfalt ein, fördert eine nachhaltige, umweltfreundliche Lebensmittelproduktion, betreibt Geschmacksbildung und bringt Erzeuger von handwerklich hergestellten Lebensmitteln mit Ko-Produzenten (Verbrauchern) zusammen. In Deutschland hat Slow Food 13.000 Mitglieder und 83 lokale Gruppen. Seit 20 Jahren engagiert sich Slow Food Deutschland für die Wertschätzung und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Seit 2011 veranstaltet Slow Food Deutschland öffentliche Aktionen mit vielen tausend Teilnehmenden gegen Lebensmittelverschwendung.

Weitere Infos: www.zugutfuerdietonne.de und www.slowfood.de

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